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THEMA: Akt mit Behinderung (10.8.2010)

Akt mit Behinderung (10.8.2010) 09 Aug 2010 23:11 #14422

  • Brigitte1959
Akt mit Behinderung
Von Frank Jürgens

OSNABRÜCK. Auch rund 50 Jahre nach dem Contergan-Skandal fühlen sich die Opfer mit ihren Problemen alleine gelassen. Eine augenzwinkernde Dokumentation des Filmemachers Niko von Glasow dazu besticht allerdings vor allem durch schwarzen Humor und einen gehörigen Schuss Lebensfreude.




Kim Morton, eine professionelle Sängerin, Autorin und Bürgermeisterin aus Belfast, gehört zu den Models, die sich trotz Behinderung nackt fotografieren ließen. Foto: ARD
Hand aufs Herz – wer würde sich schon dazu überreden lassen, Aktfotos von sich anfertigen zu lassen? Diese Aktfotos sollten in einen Bildband, und vor dem Kölner Dom sollten sie auch noch ausgestellt werden, sagte von Glasow seinen Kandidaten. Als sei dies alles nicht genug, sollte darüber hinaus ein Kamerateam den ganzen Entstehungsprozess von der Idee bis zur Verwirklichung festhalten, der schließlich als Dokumentarfilm bei einemgroßen Fernsehsender vor Millionenpublikum ausgestrahlt würde.

Natürlich würden die meisten vermutlich kneifen. Selbst wenn sich alle Stellen des eigenen Körpers exakt dort wiederfinden, wo sie der gängige genetische Bauplan vorgesehen hat. Und doch hat Filmemacher Niko von Glasow elf Menschen gefunden, mit denen er dieses Akt-Projekt durchziehen konnte. Elf Menschen, die genau wie er selbst Opfer des verhängnisvollen Medikaments Contergan geworden sind. Mit all den bekannten Folgen für den Körper und natürlich auch die Seele.

Mittlerweile geht die Generation der überlebenden Geschädigten auf die 50 zu. Alleine gelassen fühlt sie sich immer noch. Die Entschädigungszahlungen der verantwortlichen Firma Grünenthal und deren Eignerfamilie Wirtz werden als lächerlich empfunden. Noch mehr aber schmerzt es die Betroffenen, dass man dort nach wie vor die Augen vor der Katastrophe verschließt, während sie wie andere Körperbehinderte auch auf offener Straße angegafft werden und dummen Kommentaren ausgesetzt sind.

Die Sache mit dem Angaffen, so erläutert es Glasow seinen Mitstreitern und den Zuschauern, werde nun vielleicht weniger. Schließlich können die Gaffer sich jetzt unverhohlen an den Aktfotos sattsehen. Aber hinter der Aktion steckt freilich viel mehr als nur schwarzer Humor. Für den Initiator ist das Ganze eine Art Befreiungsschlag für sich und andere Behinderte, die „aus Angst vor den verächtlichen, verwirrten, belustigten oder mitleidigen Blicken“ die Öffentlichkeit mieden, wie Glasow betont. „Schon vor vielen Jahren hatte ich die Idee, eine Serie von schönen Aktaufnahmen Behinderter zu machen“, führt er fort. „Damals riet mein Therapeut mir, es nur dann zu tun, wenn ich bereit wäre, mich selbst für die Kamera auszuziehen.“

Das eigentliche Verdienst des Filmemachers ist aber das gelungene Porträt eines Dutzend ganz normaler Menschen. Schließlich ist niemand perfekt. Genauso, wie auch kein Körper perfekt ist, worauf der in eigenwilligem Englisch getextete Titel „NoBody’s Perfect“ doppeldeutig hinweist. Mit ihren Behinderungen haben sie sich arrangiert, führen ein weitgehend normales Leben und üben Berufe aus, von denen Nicht-Behinderte mitunter nur träumen können. Da sind beispielsweise die beiden Briten Mat und Kim, er Schauspieler, sie Politikerin, oder der deutsche Astrophysiker Stefan.

Über das Verhalten der Verantwortlichen des Skandals aber kommt keiner von ihnen hinweg. Also versuchen sie am Ende, die Eignerfamilie des Pharmaunternehmens mit einem ihrer Aktfotos zu konfrontieren. Natürlich ist niemand zu erreichen. Mat, der es nicht fassen kann, dass die deutschen Opfer noch viel weniger Entschädigungszahlungen erhalten als seine Landsleute, bringt die Situation mit typisch britischem Humor auf den Punkt: „Ein paar Männer haben viel Geld gemacht – und uns kurze Arme.“



„NoBody’s Perfect“, ARD, 22.45 Uhr.

http://www.neue-oz.de/preexport_startse ... acher.html








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