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THEMA: Diskussion über Lebenschancen Behinderter

Diskussion über Lebenschancen Behinderter 19 Nov 2009 20:06 #8291

  • Anonymous
http://www.derwesten.de/nachrichten/sta ... etail.html


"Ich kann nicht mit den Füßen kochen"

Diskussion über Lebenschancen Behinderter in der Martinskirche zeigt auch unterschiedliche Positionen

Professor Theresia Degener hat als Contergan-Geschädigte gelernt, ihr Leben ohne Arme zu meistern. „Ich möchte in einer Gesellschaft leben, in der Behinderung nicht unbedingt mit Leid assoziiert wird”, erklärte sie in der Martinskirche zum Abschluss der Podiumsdiskussion über die Chancen, die unsere Gesellschaft Behinderten für ein menschenwürdiges Leben bietet. Diese Erfahrung, dass Behinderung in den Augen der nicht behinderten Umwelt mit Krankheit und Unzulänglichkeit verbunden ist, hat auch Peter Robens gemacht. „Das Leben geht weiter. Es macht Lust. Auch mit Behinderung”, stellte der Vater fest, dessen Sohn mit dem Down-Syndrom auf die Welt kam. Er begreift Behinderung weniger als Einschränkung denn als Andersartigkeit, und das im positiven Sinn: „Ich kann nicht mit den Füßen kochen.”

Gemeinsam mit seiner Ehefrau Marion schilderte er den Zuhörern in der zur Hälfte gefüllten Martinskirche die Empfindungen der Angehörigen, während Professor Degener nicht nur als Betroffene zu Wort kam. Bei den Vereinten Nationen war sie als Mitglied der deutschen Delegation an der Formulierung der Behindertenrechtskonvention beteiligt, die 2009 auch in Deutschland in Kraft trat. Sie schreibe Behinderten keine Sonderrechte zu, betonte Dr. Degener. Aber Menschenrechte müssten in den Kontext von Behinderungen übertragen werden, damit Behinderte ihre Rechte auf Bildung oder Mobilität durchsetzen könnten. Sonst blieben sie - auch in der Außenwahrnehmung - reduziert auf ihre Behinderung.

„Babys mit Down-Syndrom werden heute kaum noch geboren”, stellte Professor Jochen Vollmann fest, Leiter des Instituts für medizinische Ethik und Geschichte der Medizin in Bochum. Denn mit Hilfe der Pränataldiagnostik können Behinderungen vor der Geburt erkannt werden. „Viele Eltern entscheiden sich gegen ein behindertes Kind”, erklärte Vollmann. „Ist das unethisch?” Aus seiner Sicht nicht unbedingt. Ethische Fragen könnten nicht durch allgemeingültige Grundsätze, sondern nur in Einzelfall-Entscheidungen gelöst werden.

Auf die Frage von Moderator Jürgen Thebrath nach den Zukunftsperspektiven Behinderter zeigte sich Professor Vollmann pessimistisch, „was die gnadenlosen Anforderungen der Leistungsgesellschaft angeht.” Leistungsmerkmale wie „stark” und „schwach” spielten selbst im helfenden Handeln der Diakonie eine große Rolle, räumte Diakonie-vorstand Johannes Schildmann ein. Die damit verbundene Bewertung steht für ihn im Widerspruch zum Anspruch auf Akzeptanz der Behinderten: „Das krieg ich ehrlicherweise auch nicht aufgelöst.”


19.11.2009, Marie-Luise Schmand
Bottrop

Diskussion über Lebenschancen Behinderter 19 Nov 2009 20:07 #8292

  • igel1
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  • Forummitglied
  • Beiträge: 91
  • Punkte: 0
Das ist meine Antwort auf diesen Artikel.
"Ich finde es schon seltsam, dass sich Professor Vollmann für die Abtreibung von behinderte Kinder ausspricht. Und das dazu von Professor Degener kein Widerspruch erfolgt. Wäre man damals den Empfehlungen von Vollmann gefolgt, wäre Degener nicht auf der Welt und das menschenverachtende Verhalten von Grünenthal wäre nie ans Licht der Öffentlichkeit gekommen."

Diskussion über Lebenschancen Behinderter 19 Nov 2009 20:48 #8293

  • Anonymous
Zitat: "Ethische Fragen könnten nicht durch allgemeingültige Grundsätze, sondern nur in Einzelfall-Entscheidungen gelöst werden."

Wo ist die Grenze? Was ist lebenswert ist und was nicht?
Ist "anders sein" als die Norm nicht lebenswert? Steht es dem Mensch zu, über Leben und Tod zu urteilen?
Das ist eine gefährliche Gratwanderung!


Als ich mit meinem 1. Kind schwanger war (ich war 27), drängte mich meine Frauenärztin zu einer Fruchtwasseruntersuchung. Ich wollte das aber nicht. Meine Gynäkologin sagte dann wortwörtlich:
"Sollten Ihr Kind die gleichen Arme wie Sie haben, will ich aber kein Gejammer. Später ist eine Abtreibung nicht mehr möglich!". "Aber ich lebe doch auch sehr gerne, hätte mein Baby eine Behinderung, woher will ich wissen, dass es nicht leben will?", fragte ich sie, stand auf und ging. Ich war entsetzt über so viel Dummheit, betrat die Praxis nie wieder!
Meine Tochter machte letztens ein Sozialpraktikum in einer Schule für Geistigbehinderte. Sie war beeindruckt, wie viel Liebe und Dankbarkeit solche Kinder zurück geben. Sie sagte mir: "Mama, jede Frau die mit einem behinderten Kind schwanger ist, sollte eine Woche mit den Kindern verbringen, dann würde eine Abtreibung niemals in Frage kommen!" (meine Tochter ist 15)

Diskussion über Lebenschancen Behinderter 19 Nov 2009 21:00 #8294

  • darkshadow
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Vielleicht bin ich da für Manche ein wenig zu hart:

Aber so ein Charakterschwein, das den Mord an behinderten Kindern wissenschaftlich begründen will, ist für mich nichts Anderes, als geistiger Vater der Euthansie.
Solche Typen hatten wir schon mal in Deutschland.........
Mit Abtreibung "lebensunwerten Lebens" fängt es an und mit dem "Gnadentod" für Behinderte und Alte hört es auf.
Alles schon da gewesen.....
Ich habe Bekannte mit einem schwerst geistig behinderten Kind. Wenn ich sehe wie viel Lebensfreude dieses Kind hat, wie viel Glück und Liebe es, trotz seines Handicaps seiner Familie schenkt, dann möchte ich diesem "Herrn Professor" rechts und links eine scheuern.
Fragt mal einen Arzt, der bei einer Abtreibung zugegen war, oder schaut Euch den Film "Der Stumme Schrei" an. Das ist kein Zellklumpen, der da in die Mülltonne geworfen wird. Das ist ein kleiner Mensch, der voller Verzweiflung um sein Leben kämpft.
Dies einmal ganz abgesehen von dem Leid der Mütter, die oftmals nach einer Abtreibung lebenslang psychisch oder pysisch krank sind.
Eine Gesellschaft ist daran zu messen, wie sie mit ihren schwächsten Mitgliedern umgeht.
Diesbezüglich kann ich nur sagen: Schande über Deutschland und seine Politiker!

Stephan

Diskussion über Lebenschancen Behinderter 23 Nov 2009 13:03 #8324

  • mbs
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Ich habe zwei Kinder geboren und zweimal abgetrieben.

Beides habe ich bis heute nicht bereut.

Im April 2010 (wenn alles klappt) werde ich zum ersten mal OMA. Ich freue mich RIESIG


UND trotzdem bin ich der Meinung das JEDER sich darüber Klar sein sollte das er mit der zeugung und der späteren Geburt eine VERANTWORTUNG übernimmt.

Ich hatte das GLÜCK eine "starke" Mutter zu haben und sie hat mich geboren weil sie mich wollte. Leider hat sie nicht gewusst das ich einen THALIDOMID-Schaden habe. Ob sie anders entschieden hätte weiss ich nicht. Ich kann sie auch nicht mehr fragen, sie tot ist. Tief im inneren meines herzens glaube ich schon das sie mich trotzdem Geboren hätte.

Mein Sohn und dessen Freundin haben ALLE möglichen Untersuchungen durchführen lassen um die "Gesundheit" des Ungeborenen fest zu stellen.......wenn es einen Hinweis auf eine Schädigung gegeben hätte.....ABTREIBUNG.

Ich bin für diese Entscheidung dankbar !!!!!
Ich lebe in einem geschädigten Körper !!!!
Ich möchte das meinem Enkelkind dies erspart bleibt !!!!!

Viel zu viele Menschen leben auf dieser Welt die NICHT geliebt werden.
Viel zu viele Menschen gebären Kinder die sie dann abschieben.
Viel zu wenige Eltern kümmern sich um ihre Kinder.
Viel zu wenig Eltern können ihrer Verantwortung gerecht werden.

Diese Gesellschaft ist nicht mal fähig KINDER in einem geborgenem Umfeld heran wachsen zu lassen......und dann noch ein behindertes Kind......NEIN !!!

Das ist meine persönliche Meinung !!!

Alle angepriesenen Hilfen sind nur von KURZER dauer. Die Verantwortung bleibt bei den Eltern, ein Leben lang. Mit ALLEN Konsequenzen sollten die Eltern für ihre Kinder einstehen.

und sollte mein Enkelkind doch eine Schädigung haben.....dann weis ich mit 100% das es die volle Liebe und Kraft und Stärke seine Eltern hat. Diese Eltern sind sich der Verantwortung eines Kindes bewusst.

UND DIE (zukünftige) OMA AUCH !!!!!

Diskussion über Lebenschancen Behinderter 23 Nov 2009 13:19 #8326

  • Boncu
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Eigentlich will ich mich aus dieser Diskussion heraushalten, weil ich weiss, dass sich zwangsläufig am Ende unversöhnliche Lager gegenüberstehen werden.
Dennoch an dieser Stelle meiner "Vorschreiberin" Respekt und Anerkennung für ihre persönlichen Worte, die anschaulich zeigen, worum es hier eigentlich geht :
Um eine persönliche Entscheidung unter Abwägung vieler individueller Aspekte, über die kein anderer zu urteilen hat - und schon gar nicht mit Totschlagargumenten wie "Euthanasie" etc.

Boncu

Diskussion über Lebenschancen Behinderter 23 Nov 2009 13:25 #8328

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Ich glaube und hoffe....quatsch ich weiss das sich HIER nicht zwei "LAGER" bilden werden. Man sollte nur beider Seiten der "medallie" betrachten.

Es ist schon ein sehr intensives Thema, das man mit Respekt behandeln sollte. Trotzdem seine Meinung äussern, wenn man will.

Diskussion über Lebenschancen Behinderter 23 Nov 2009 13:48 #8330

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ich glaube das auch ein leben mit behinderung bis zu einem gewissen gerade sehr lebenswert sein kann, es kommt halt auf die behinderung an.
wie ich entscheiden würde im extram fall weis ich nicht weil ich nie vor die wahl gestellt wurde.
die entscheidung liegt einzig und allein bei den eltern, obwohl ich es bei leichten behinderungen z.b. downsyndrom nicht tollerieren könnte.

ich würde mir wünschen das es diese frühdiagnostik und damit die wahl für oder gegen ein behindertes kind so wie sie heute exestiert nicht geben würde.

Diskussion über Lebenschancen Behinderter 23 Nov 2009 15:03 #8333

  • Anonymous
Boncu schrieb:
Eigentlich will ich mich aus dieser Diskussion heraushalten, weil ich weiss, dass sich zwangsläufig am Ende unversöhnliche Lager gegenüberstehen werden.
Dennoch an dieser Stelle meiner "Vorschreiberin" Respekt und Anerkennung für ihre persönlichen Worte, die anschaulich zeigen, worum es hier eigentlich geht :
Um eine persönliche Entscheidung unter Abwägung vieler individueller Aspekte, über die kein anderer zu urteilen hat - und schon gar nicht mit Totschlagargumenten wie "Euthanasie" etc.

Boncu


Siehst Du Boncu, das ist das Schöne im CNN. Hier entstehen keine "unversöhnliche Lager" und hier fällt keiner über den anderen her!
Unterschiedliche Meinungen werden toleriert. Ich sehe es als wichtig an, die Meinung anderer auch zu überdenken.

LG
Seehas

Diskussion über Lebenschancen Behinderter 23 Nov 2009 15:37 #8335

  • werner
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  • Beiträge: 1906
  • Punkte: 2352
  • Honor Medal 2010
Meine Mutter hätte mich abgetrieben!
Heute ist Sie froh,dass ich lebe.
Ich lebe gerne,ohne mich gäbe es unsere Kinder nicht.
Habe ich das Recht über lebenswert oder nicht zu entscheiden?
Wohin führt diese Freiheit? Zur Euthanasie? Wo zieht die Gesellschaft die Grenze?
Was ist lebenswert? Gibt es überhaupt lebensunwertes?
Ich möcht es nicht entscheiden!
Aber auch über Menschen, die anders denken, nicht richten.
Werner
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